>  Englisch
>  Kontakt



Pressespiegel


Vom Drachenschwanz zur Regenbogenfahne

«Ob an Schulfesten, Umzügen oder kulturellen Anlässen aller Art: Der Anblick der schmalen, vielfarbigen Fahnen an langen Bambusstangen, oft mit einem Glöckchen oder einem Spiegel an der Spitze verziert, ist im Bernbiet weit verbreitet. Weniger bekannt ist, dass die Idee zu diesen so genannten Regenbogenfahnen aus dem Emmental stammt. Dort, genauer gesagt in Schwanden bei Lützelflüh, ist das Rainbow Project zuhause, ein kulturelles Projekt von Thomas Bertschi, Dewa Bertschi, Paul Christ und Pema Lobsang. In seinem kürzlich erschienenen Buch Fahnen - Inspiration zum Malen und kreativen Wirken zeigt Thomas Bertschi den Weg der Regenbogenfahne von Bali ins Emmental auf.

1989 brachte der heute 59-jährige Bertschi - mit Bali und seiner Kultur seit langem eng verbunden - 20 selbst bedruckte Fahnen in die Schweiz zu visuellen Ankündigung des Kongresses Planetary Partnership in Interlaken. Auf die Idee gebracht hatten ihn die langen, schmalen Fahnen, die in Bali ein wichtiger Bestandteil jeder feierlichen Veranstaltung sind. Ihr Name lautet: ‹Umbul Umbul› - zu Deutsch ‹Schwanz des Drachen›. In der Schweiz wurden die selbst bemalten Regenbogenfahnen rasch zu einem beliebten Gestaltungselement lokaler Ereignisse. Besonders bei Schulklassen ist das Fahnenmalen äusserst beliebt.

In seinem Buch gibt Bertschi denn auch eine Fülle von Tipps zu Gestaltung von Regenbogenfahnen. Mit zahlreichen Farbaufnahmen zeigt er den Erfolg bisheriger Malaktionen um In- und Ausland auf. Das Buch ist aber weit mehr als eine Anleitung zum Selbermachen: Es enthält ebenso Hintergründiges über die ‹Kosmologie der Farben› und zur balinesischen Mythologie und Alltagskultur wie auch Wissenswertes über andere Fahnentypen und weitere Windobjekte.»

Der Bund, 29.9.03

 

Die Welt im Wind

«… Eigentlich müsste man Thomas Bertschi als Gedankensammler bezeichnen. Er sammelt Notizen, Fragmente, Ideen, Fäden, Farben (auch solche, die wir noch nie gesehen haben) und bindet sie sorgfältig zusammen. Daraus entsteht eine Lektüre, die uns öffnet für neue Ideen, Verbindungen und in uns eben Gedanken kreiert, wie wir sie selber noch nie gemalt haben. Bertschi ist ein Fantast, doch einer, der seine Ideen greifbar machen kann, weil Vision, Hoffnung und Können zusammenklingen.

Vernetzung ist somit auch gleich der Schlüssel zu seinen Welten. Das Buch ‹Fahnen› beginnt irgendwo in einem Mythos und begleitet uns um den ganzen Globus, bis zu unseren Nahbaren, die bestimmt auch schon eine balinesische Fahne mit den Kindern bemalt haben. Und so ist man plötzlich selber ein Teil eines Buches, das zu Beginn doch nur wie ein Buch aus dem Laden dahergekommen ist. Irgendwie habe ich beim Lesen eine Art von Michael Endes ‹Unendliche Geschichte› entdeckt, ohne dass eine Geschichte da gewesen wäre.

Die Fahnen, welche Thomas Bertschi zusammenträgt, flattern vor allem in balinesischem Stil. Das sind jene schmale Fahnen auf der Bambüsstange, die sich gegen die Spitzen verjüngen und am Ende ein Glöckchen oder ein Spiegel tragen. In Bali tragen sie den Begriff ‹Umbul Umbul›. Aus dem Buch: ‹Ethnologen nehmen an, dass sich die heilige Fahne des Bali-Hinduismus bis auf den indischen Subkontinent zur Zeit von Buddha zurückverfolgen lässt. Im Ramayana-Epos wird berichtet, dass die Fahne aus einem Streit zwischen dem Helden Arjuna und dem Affengott Hanuman ,entstand. So findet sich auf der Fahne oft ein Drache, den Pfeil des Arjuna symbolisierend.» Und so geht es weiter bis tief in die Nacht hinein. Das Buch ist in verschiedene Themen oder Facetten unterteilt, die uns eine Weile beschäftigen werden: Herkunft der Fahnen, Fahnen selber bemalen, Techniken, kulturelle Projekte mit Fahnen, andere Ideen, Windprojekte und vieles mehr. Und man ist immer neu erstaunt, wie sich die Fahne als so einfacher Gegenstand und Brauch auf der ganzen Weit wieder findet.

Es ist die Einfachheit, die überzeugt, die Ehrlichkeit, wie Thomas Bertschi uns verwirrt und etwas gibt. Erinnern wir uns doch daran,wenn das Grau in uns oder über unseren Köpfen in diesem Winter nicht weg wollen: Die Welt liegt im Wind.»

ensuite Nr 11, Nov. 03